3 2 4 5 1 Foto: Jörg Kaiser, Vörstetten RATGE B E R Stress ist fast normal und muss nicht negativ sein, sagt der Psychologe Markus Strauch. So wird aus unangenehmem Druck motivierender Antrieb Stress, lass nach! T E X T ELKE BIEBER Im Austausch bleiben Der Reality-Check Die Weiterentwicklung Positivität wahren Nichts tun „So tun, als wär nix“, wenn die Anforderungen auf Dauer das vertretbare Maß übersteigen – das ist für den Arbeits- und Organisationspsychologen Markus Strauch nicht zielführend. Er plädiert für einen bewussten Umgang mit der Situation. Das heißt: Führungskräfte und Teammitglieder klären je nach Zuständigkeit → die Ziele und Prioritäten der aktuellen Aufgaben, → die Rolle, die jeder dabei ausfüllt, → Möglichkeiten, sich gegenseitig zu unterstützen, sowie → die Grenzen des Machbaren – die sollte man gemeinsam ausloten. Im Stress geht der Blick auf Positives leicht verloren, weiß Experte Strauch: „Darum sollte man sich aktiv bemühen, das Positive zu sehen.“ → Good news, Erfolge und Stärken zu würdigen – das wirkt einer negativ verzerrten Wahrnehmung entgegen und stärkt das Wohlbefinden. → Positivität heißt: Checken, wer und was mir wichtig und wertvoll ist – es bedeutet nicht, eine rosarote Brille zu tragen. → Ein positiver Einstieg in Gespräche und Meetings, zum Beispiel mit einem Blick auf Erreichtes, sollte daher gerade in Stresssituationen dazugehören. → Das gilt ebenso für Lob und Wertschätzung. Pausen streichen, um mehr zu schaffen? Für Strauch ist das der falsche Weg. „Erholung verdient Wertschätzung“, sagt er. Darum: → Auf eine Balance von Arbeit und Privatem achten. → Finger weg vom Multitasking. → Selbstfürsorge und Achtsamkeit üben – und pausieren, wenn nötig, → und auch mal völlig loslassen – Freizeitstress adé! Nichtstun und Muße sind keine Zeitverschwendung. Funktionierende Teams sind in Stresssituationen eine große Entlastung. Status-quo-Meetings, Erfahrungs- und Ideenaustausch ermöglichen ein lösungsorientiertes Vorgehen, zum Beispiel so: → Aufgaben lassen sich neu bewerten, besser strukturieren und/oder umverteilen, → wer miteinander redet, vermeidet Hängepartien, Missverständnisse und Doppelarbeit, → gute Team- und Meetinggewohnheiten sorgen für Effizienz und Zusammenhalt; darum heißt es für jeden Einzelnen: sich einbringen, → Einzelkämpfertum kann einsam machen und zu Fehlentwicklungen führen – Team-Intelligenz beugt dem vor. Fehlen Kompetenzen, um Neues zu bewältigen, so gilt es, diese Lücken zu schließen. Vorausschauende Führungskräfte gestalten dies als gemeinsamen Prozess, rät Strauch. Seine Tipps für die Beteiligten: → systematische Personal- und Organisationsentwicklung in den Blick nehmen, → den Qualifikationsbedarf des Unternehmens ebenso berücksichtigen wie die Stärken der Beschäftigten, → diese Stärken ermitteln und weiterentwickeln, → eine konstruktive Fehlerkultur etablieren und als Lernchance begreifen. Erwachsene ohne Stress findet man heute kaum. Folgt man dem Stressreport der Techniker Krankenkasse (TK), so fühlen sich zwei Drittel oft oder manchmal gestresst. Dabei ist Stress als solcher nicht negativ, erklärt der Arbeits- und Organisationspsychologe Markus Strauch, der unter anderem Führungskräfte schult und an der Universität Freiburg lehrt. Die eigenen Grenzen pushen, kreativer werden: Das macht im Erfolgsfall stolz und zufrieden. „So wichtig vertraute Routinen für die psychologische Sicherheit sind: Wer nur dort verharrt, beginnt sich zu langweilen“, sagt Strauch. Darum ist es meist eine positive Erfahrung, von dieser Komfortzone in die „Lern- und Entwicklungszone“ zu gelangen. Neue Aufgaben zu bewältigen und den Horizont zu erweitern – „das brauchen wir“. Panik könne sich allerdings breitmachen, wenn es an Kraft, Kapazität oder Kompetenzen fehlt, um Belastungen zu meistern. Der TKStressreport nennt drei Hauptfaktoren, die Menschen belasten: den hohen Anspruch an sich selbst, die Anforderungen in Beruf, Studium oder Schule sowie politische und gesellschaftliche Probleme, vor allem Krieg und internationale Konflikte. Häufige Folgen dieser Belastungen sind der TK zufolge: Verspannungen und Rückenschmerzen, Erschöpfung und Schlafstörungen. Und: Im Betrieb können nachlassende Konzentration und Erschöpfung zu mehr Arbeitsunfällen und Krankheitstagen, zu Fluktuation und Zynismus führen. Geht der Blick auf das Positive verloren, beginnt die Abwärtsspirale. Wie man trotz Stress ein gutes Miteinander schafft und die Gesundheit schützt, das verraten die fünf Expertentipps auf dieser Seite. DR. MARKUS STRAUCH, ARBEITS- UND ORGANISATIONSPSYCHOLOGE, COACH „ Menschen sind keine Maschinen“ Hier geht es zum Interview mit Markus Strauch ARBEITEN IN DER CHEMIE 26 e i n s 2 0 2 6 27 STANDORT RHEINLAND-PFALZ Illustrationen: Freepik, pch.vector – freepik.com UMGANG MIT STRESS
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