Über Meffert Die Meffert AG ist ein Familienunternehmen in dritter Generation mit Hauptsitz in Bad Kreuznach, gegründet 1947. Der Mittelständler ist Spezialist für hochwertige Bautenfarben und -lacke. Er hat acht Auslandsstandorte und mehr als 1.300 Mitarbeiter, setzt den Fokus aber auf den Standort Deutschland. Mehr als 30.000 Produkte gehören zum Sortiment – etwa Lasuren, Putze, Dichtmassen und BautenschutzProdukte. Foto: privat RATGE B E R Foto: AHK Dos und Don’ts in China: Wir fragten Oliver Oehms. Der Trierer ist Chef der Außenhandelskammer in Peking und vertritt dort deutsche Unternehmensinteressen OL I V E R OEHMS Wenn Christian Starke von China erzählt, verändert sich etwas in seinem Gesicht, und seine Gesten werden lebendiger. Für ihn ist das Land längst mehr als ein Markt. Es ist ein Stück Heimat geworden – eine zweite kulturelle Identität, die er sich erarbeitet hat. „Ich habe mich schon immer für fremde Kulturen interessiert. Aber China fasziniert mich total.“ Starke (42) ist bei der Meffert-AGUnternehmensgruppe Prokurist und leitet den Vertrieb Westeuropa sowie Nah- und Fernost. Ein fünfköpfiges Team, ein globales Geschäft. Und allein mit Fernost ein Absatzmarkt, der für Meffert kaum wichtiger sein könnte: „Unsere Produkte stehen in chinesischen Baumärkten sowie im Fachhandel und selbst Einrichtungsfirmen arbeiten mit unseren Farben und Lacken“, erzählt Starke. Die Volksrepublik gehört für die rheinland-pfälzische Wirtschaft zu den wichtigsten Exportländern (Platz zehn, Stand 2024). Die Ausfuhren dorthin sind seit 2009 um 90 Prozent gestiegen: Allein die chemische Industrie exportierte zuletzt Waren im Wert von 542 Millionen Euro. China punktet mit einem hohen Innovationstempo, massivem Aufbau von Know-how, einer strategischen Industriepolitik und einer Digitalisierung, die viele Prozesse schneller macht als in Europa. Dazu kommt die schiere Marktgröße. Alles Faktoren, die für hiesigen Firmen enorme Wachstumschancen bedeuten. Qualität und Sorgfalt sind gefragt Der Einstieg in den chinesischen Markt begann für die Meffert AG so: Ein Großhändler meldete sich: „Ich brauche eure Produkte in China!“ Was danach kam, war ein Erfolg, der viel mit deutscher Gründlichkeit und chinesischen Erwartungen zu tun hat. „Unsere Qualität und Umweltfreundlichkeit sind dort ein Riesenthema“, schildert Starke. „Die Kunden wissen, dass wir alle Regularien einhalten. Das Vertrauen in traditionelle deutsche Unternehmen ist enorm.“ Schon seit 30 Jahren gibt es die Meffert-Marke düfa inzwischen in China. Wie Starke Chinaversteher wurde Dass Starke heute fließend Chinesisch spricht und mit der Kultur bestens vertraut ist, hat mit einem Zufall zu tun. Während seines Studiums der Sozialwissenschaft zog vorübergehend ein chinesischer Professor in seine Wohngemeinschaft. „Der sagte: ‚Wenn du Lust hast, besuch mich doch mal in China.‘“ Starke tat es – und blieb später ein ganzes Jahr dort. „Ich wollte die Sprache lernen. Jeden Tag acht Stunden. Um das zu finanzieren, habe ich unter anderem als Deutschlehrer gearbeitet.“ Was ihn hielt? „Die unglaubliche Gastfreundschaft. Diese Offenheit hat mich sofort beeindruckt.“ „Sie sind schnell und mutig“ Und von chinesischen Geschäftspartnern könne man viel lernen, findet Starke. „Flexibilität, Schnelligkeit, Mut. Sie treffen Entscheidungen zügig, zaudern weniger als wir, haben keine Angst vor Misserfolg. Wir Deutschen diskutieren oft zu lange.“ Seine insgesamt 52 ChinaReisen haben ihm gezeigt, wie unterschiedlich Arbeitskulturen sein können. Und wie wertvoll es ist, beide zu verstehen. Reisen am Limit China-Reisen seien intensiv: „Früh Feierabend gibt’s nicht. Man nutzt jeden Tag maximal“, sagt Starke. Bei seiner letzten Reise arbeitete er in Peking zwei Tage im Büro des Hauptkunden, besuchte dann einen Vertriebspartner und reiste weiter nach Shanghai, wo er auf einer Branchenveranstaltung einen Vortrag hielt. Auf seinen Reisen pflegt er zum Beispiel Netzwerke, beobachtet Trends und Wettbewerber, trifft regionale Partner und besucht Messen. Vorbereitung ist alles Anderen Dienstreisenden, die zum ersten Mal China besuchen, rät er: „Eine gute Vorbereitung ist alles. Ob die Zahlen zur Umsatzentwicklung oder offene Themen, alles sollte vorab klar sein.“ Und: „Im Ausland muss man einfach noch mehr kommunizieren als in der Heimat. Denn sprachlich und kulturell geht immer ein bisschen was verloren, das ist normal.“ Ein Leben in vielen Ländern Starke ist nicht nur in China unterwegs. Dubai, Frankreich, Ungarn, die Tschechische Republik, Rumänien, Algerien – sein Kalender ist international. Trotzdem gelingt ihm der Spagat mit der Familie. Seine Kinder, zehn und fünf Jahre alt, sind selbst schon fasziniert von China. „Ich schicke ihnen oft Fotos und bringe etwas mit.“ Und er erzählt ihnen auch immer wieder von ganz besonderen Erlebnissen – zum Beispiel der Luxusvilla in Dubai mit Tennisplatz und PopcornZimmer, die er besichtigte. „Bestimmte Produkte von uns sind im Luxussegment gefragt.“ Tiefe Einblicke in andere Welten. Für Starke als Brückenbauer gehören sie zum Alltag. CHRISTIAN STARKE, VERKAUFSLEITER FÜR NAH- UND FERNOST BEI MEFFERT „ Die Chinesen haben keine Angst vor Misserfolg. Sie machen einfach“ Gibt es Gesprächsthemen, die man in China besser meidet? Umgehen sollten Sie politisch sensible Themen: zum Beispiel Fragen zur nationalen Souveränität, zur Integrität des Landes oder zur Religion. Punkten können Sie dagegen mit echtem Interesse an der reichen Kultur und Geschichte Chinas. Erzählen Sie ruhig, wenn Sie sich schon Sehenswürdigkeiten angeschaut haben. Die Chinesen freuen sich, wenn man Ihre Kultur verstehen will. Was ist im Berufsumfeld in China besonders? Es ist meist viel hierarchischer als in Deutschland. Man merkt es zum Beispiel an Sitzordnungen und der Art, wie Titel benutzt und Personen angesprochen werden. Wenn man Verhandlungen über verschiedene Hierarchien hinweg führt, könnte man Gesprächspartner übrigens verprellen, wenn man eine Abkürzung nimmt auf die nächste Ebene. Wie wichtig sind persönliche Beziehungen? Sehr wichtig, auch in anderen Teilen Asiens! Während wir Deutsche Geschäftstreffen zum Mittag- oder Abendessen zuweilen als mühsam empfinden, ist es in China Teil der Arbeitskultur. Gehen Sie mit Ihrer Zeit dafür also am besten nicht zu sparsam um. Für diese persönlichen Geschäftsbeziehungen gibt es sogar ein eigenes Wort: guanxi, das spricht man „Gwanschi“ aus. Die volle Version des Interviews finden Sie hier. Dort erfahren Sie auch, welche Kommunikationskanäle in China funktionieren und wie die Außenhandelskammer Ihr Unternehmen unterstützt. Gefragter Experte: Christian Starke als Redner auf einem Branchenkongress in Shanghai. Stolperfallen meiden 9 8 e i n s 2 0 2 6 VOR ORT STANDORT RHEINLAND-PFALZ
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